Billy Idol- 8.12.05 Düsseldorf Phillipshalle
Die Verona Pooth des Punkrock

Ich gebe es zu. Zu Hochzeiten von Generation X und auch noch zu Zeiten von „White Wedding“ Zeiten hatte ich blond gefärbte Haare. Billy Idol war zwar keiner der harten Punker, aber die Songs und „die Lippe“ und „die Faust“ hatten schon was, zumindest um die Mädchen rumzukriegen. Generation X Songs sind auch heute noch gut, traditioneller Früh Punkrock eben, während Billy Idol Songs den unsäglichen Musikalischen 80-ern zugeschrieben werden müssen, mit all ihrem triefenden Synthiegeseiere und auch mit all dem Schmalz und Schmand in der Bekleidung und der Stimme.

Heute Abend ist die Phillipshalle mit knapp 5000 Leuten sehr gut gefüllt, der Eintrittspreis (AK 52 Euro!) und die fehlende Vorband sind in der Kombination allerdings schon eine Frechheit. Die Menge stört das nicht, denn bis auf „Rock am Ring“ (Sommer 05) ist es immerhin 14 Jahre her, das William Broad, aka Billy Idol in unseren Breitengraden aufgespielt hat. Damals in der Sporthalle zu Köln , mit nahezu dem gleichen musikalischen Programm.
Gut, er hat zwischcnzeitlich viel mitgemacht, war durch Drogen und Unfälle gehandicapt, aber sein Comback läuft seit der Veröffentlichung von „Devil´s Playground“ auf vollen Touren.
Da wurde Billy hierzulande schon von Stefan Raab bei „Flesh for Fantasy“ gedoubelt, beide zusammen haben mit Boris Becker auf Raabs Sofa „die Lippe“ gegeben , was echt witzig war, aber meine Damen und Herren, ist das noch Rock´n`Roll? Der Mann ist 50 Jahre alt und macht noch solchen Scheiss mit! (link zu TV TOTAL!
Nun, auf wundersame weise hat Billy Idol wieder den Körper einer 20 jährigen Sportskanone bezogen und er wird es nicht leid, alle zwei Songs die Oberkörperklamotten zu wechseln, oder eben auch ganz den Nackedei zu geben, ein bisschen joggen auf der Bühne incl.. Sein Spannmann an der Gitarre, Steve Stevens hat Gott sei dank die hochhackigen 80-er Peinlichkeitstreter abgelegt, ansonsten das gleiche Bild wie früher, schwarz toupierte Haare und Gitarrengepose bis zum Erbrechen, ja auch ein 10 Minuten Solo auf der Flamenco Gitarre bleibt dieses Mal nicht außen vor. Steve Stevens, auf den Postern und Konzertkarten wie der Heiland angekündigt, aber im Ernst: was hat der eigentlich die letzten 15 Jahre gemacht??? Who the fuck is Steve Stevens???
Ich scheine etwas abzudriften.
Gespielt werden alle Hits von "Dancing with myself", "White Wedding","Rebell Yell", „Sweet Sixteen“ (leider lieblos vergurkt!) bis hin zu einer 15 Minuten Schlussoffensive von Mony Mony (...und nicht „Money Money“, wie die heutige Express schreibt! ;-))). Billy und seine Bande bedienen fachmännisch das angegraute Publikum und dieses nimmt das Angebot gerne an, schwenkt die Feuerzeuge und outet sich als Landungskatscher.

Hätte er Liberace gecovert, keiner hätte es gemerkt.
Da ist dann dem Publikum gegenüber der Zenit übeschritten, wenn es nur noch um´s Geldverdienen geht, oder etwa nicht?
Unterm Strich ok-es Rock Entertainment, aber in diesem Rahmen eigentlich ohne Höhepunkte. Vielleicht sollte sich Billy nachdem er sich jetzt für die nächsten Jahre fett verdient hat, mal den Luxus von Clubshows gönnen. Das könnte was werden. Mein Abend war dieser hier beschriebene jedenfalls nicht!

Beitrag von: Andrew Uhlemann   /   erstellt am: 10.12.2005