Rebell with a cause

In den Siebzigern war er Punker, später tat er zumindest noch so: Billy Idol wurde vor allem Dank MTV zu einem der größten Rock-Idole der 80er-Jahre, und beweist seither mit zahlreichen Comeback-Versuchen großes Durchhaltevermögen.

80er-Ikone des MTV-Punks: Billy Idol
80er-Ikone des MTV-Punks: Billy Idol
William Michael Albert Broad wurde am 30. November 1955 im englischen Middlesex geboren. Als William drei Jahre alt war, siedelte die Familie Broad nach New York um, kehrte jedoch schon kurze Zeit später wieder nach England zurück. Nachdem er die Schule erfolgreich abgeschlossen hatte, besuchte William kurzzeitig die Sussex University, die er jedoch bereits nach einem Jahr wieder verließ, was zu einem größeren Zerwürfnis mit seinem Vater führte.

Statt für sein Studium interessierte sich der junge Mann seinerzeit eher für die Musik und gründete mit Susan Dallion, die später als Siouxsie Sioux mit Siouxsie And The Banshees Erfolge feiern sollte, und einigen weiteren Freunden seine erste Band The Bromley Contingent, in der er als Gitarrist fungierte.

Gebleichte Haare ja - aber gepflegt müssen sie sein.
Gebleichte Haare ja - aber gepflegt müssen sie sein.
Bandtechnische Eintagsfliegen

Der Band sollte nur ein kurzes Schicksal beschieden sein und schon bald startete William die neue Gruppe Chelsea. Mit dabei war gleich eine ganze Reihe von Musikern, die später noch Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen sollten: Mick Jones feierte mit The Clash Erfolge, Tony James spielte bei den Elektro-Punkern Sigue Sigue Sputnik und Brian James wurde Mitglied der Punk-Band The Damned. Auch Chelsea lösten sich bald wieder auf. William hängte die Gitarre an den Nagel, beschloss künftig als Frontmann zu agieren und gab sich dafür den Künstlernamen Billy Idol.

Gemeinsam mit Tony James, John Towe und Bob Andrews gründete er 1976 die Band Generation X, die dann tatsächlich länger als nur einige Monate bestehen sollte. Die Gruppe unterschrieb ihren ersten Plattenvertrag bei Chrysalis und veröffentlichte 1978 ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Nach zwei weiteren Alben, "Valley Of The Dolls" (1979) und "Kiss Me Deadly" (1981) sowie sieben Charts-Singles, mit denen sich die Gruppe eine beachtliche Anhängerschaft erspielte, war jedoch auch das Schicksal von Generation X besiegelt.

Nur den Punk nahm ihm keiner so recht ab - egal bei dem Erfolg
Nur den Punk nahm ihm keiner so recht ab - egal bei dem Erfolg
MTV macht Musiker

Billy Idol brach daraufhin seine Zelte in England ab und siedelte wieder nach New York um, mit dem Entschluss, eine Solokarriere zu starten. Im Kiss-Manager Bill Aucoin fand er rasch einen hochkarätigen Mentor und veröffentlichte 1981 seine erste Solo-EP "Don't Stop", die eine Coverversion des Tommy-James-Hits "Mony Mony" und einige alte Generation-X-Stücke enthielt. Mit der EP sorgte Idol rasch für Aufsehen und unterzeichnete wenig später einen Solo-Vertrag bei seiner alten Firma Chrysalis. Mit dem Gitarristen Steve Stevens fand Idol seinen perfekten musikalischen Partner und machte sich mit ihm an die Aufnahmen für das Debütalbum.

Im Juli 1982 kam "Billy Idol" auf den Markt und entwickelte sich rasch zum Hit: Die markante optische Präsenz des Sängers, mit wasserstoff-blondierten Haaren, wuchtigen Lederklamotten und einer stets vibrierenden Oberlippe, stellte sich als ideal für den gerade gestarteten Musiksender MTV heraus. So wurde Billy Idol einer der ersten Künstler, dessen Karriere vor allem durch das Musikfernsehen in Schwung kam. MTV spielte die Videos zu Songs wie "White Wedding" oder "Dancing With Myself" rauf und runter, wodurch das Album schon bald Gold-Status erreichte.

Zur Stil-Ikone der 80er wurde er dennoch
Zur Stil-Ikone der 80er wurde er dennoch
Hit auf Hit

Von seinen Punk-Wurzeln hatte sich Billy Idol zu dieser Zeit bereits weitgehend verabschiedet. Seine Musik war vielmehr eine gefällige Mischung aus Rockriffs, Elektro-Beats und eingängigen Gesangsmelodien, die auch von den Radiostationen begeistert aufgenommen wurde. Der große Durchbruch gelang 1984 mit dem Album "Rebell Yell", das bis heute das erfolgreichste Album des Sängers ist. Songs wie "Eyes Without A Face" oder "Flesh For Fantasy" wurden massive Hits und Billy Idol füllte bald die großen Stadien in den USA.

Doch mit dem großen Erfolg kamen auch die ersten großen Abstürze. Aufgrund seines exzessiven Lebensstils, brauchte Idol rund drei Jahre um ein neues Studioalbum fertig zu stellen: "Whiplash Smile" erschien 1987 und enthielt mit "To Be A Lover" oder der Ballade "Sweet Sixteen" wieder einige Hits, konnte jedoch insgesamt nicht ganz an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen.

Stehaufmännchen Billy Idol: Weder Drogenexzesse noch mißlungene Comback-Versuche konnten ihn auf Dauer aus der Bahn werfen
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Ups and Downs and ...

Daraufhin schmiss Steve Stevens das Handtuch und gründete seine eigene Band Steve Stevens' Atomic Playboys. Idol widmete sich wieder verstärkt dem Alkohol und den Drogen und verschanzte sich während der folgenden Jahre im Studio, um an einem neuen Album zu arbeiten. Zwischendurch übernahm er eine Rolle im Rockmuscial "Tommy" von The Who. 1990 meldete er sich mit seinem vierten Album "Charmed Life" zurück.

Die Veröffentlichung wurde aber von einem persönlichen Rückschlag überschattet: Bei einem Motorradunfall wurde der Sänger lebensgefährlich verletzt, überlebte knapp und musste während der folgenden Jahre am Stock gehen. "Charmed Life" entwickelte sich dennoch zum Hit, erreichte Platin-Status und brachte mit Songs wie "Cradle Of Love" erneut einige Hit-Singles hervor.

Weitere drei Jahre sollten vergehen, bis Idol mit einem neuen Album aufwartete. Zwischenzeitlich hatte er seine erste Rolle als Schauspieler übernommen, in Oliver Stones' Film "The Doors". 1993 erschien "Cyberpunk" auf dem Billy Idol erstmals ausgiebig mit Techno-Beats experimentierte und sich dabei etwas verrannte. Die Platte floppte. Der Sänger stürzte sich daraufhin wieder in seine Drogenkarriere, die ihm schließlich seine zweite Nahtoderfahrung bescherte. Nach einer Überdosis schwebte der Sänger 1994 in Lebensgefahr und entging nur knapp dem Tod.

Nach diesem Erlebnis wurde es vorerst still um den Sänger. Erst 1998 tauchte er in dem Film "Eine Hochzeit zum Verlieben" wieder auf, in dem er in einer kleinen Gastrolle sich selbst spielte. Ab 2001 war der Name Billy Idol wieder häufiger zu hören: Nach Veröffentlichung einer "Greatest Hits"-Kopplung, tat er sich wieder mit Steve Stevens zusammen und vollführte mit ihm einen bemerkenswerten Auftritt in der MTV-Sendung "Storytellers". Im März 2005 startete er mit dem Album "Devil's Playground" einen weiteren Comeback-Versuch.