Devil's Playground

Idol Billy
Veröffentlichung: 2005
Kategorie: Album
Genre: Pop
Tracks: 13
Label / Vertrieb : Sanctuary / BMG
 

Kritik

Billy Idols Rückkehr ins Musikgeschäft kündigte sich 2002 an, als mit "VH1 Storytellers" ein Live-Unplugged Album erschien, das den Briten auf der Bühne mit Steve Stevens zeigte. Gemeinsam hatten die beiden ihre besten und erfolgreichsten Jahre zwischen 1982 und 1986. Mit Hits wie "White Wedding", "Hot In The City", "Rebel Yell", "Eyes Without A Face" und "Sweet Sixteen" hatten sie als Gründer des Disco-Punk Geschichte geschrieben.

Nach "Whiplash Smile" (1986) gingen sie getrennte Wege, nach "Cyberpunk" (1993) zog sich Idol komplett zurück und konzentrierte sich auf seine Familie. Wie er heute sagt, waren ein schwerer Unfall, der beinahe Drogen-Tod und vor allem seine Kinder verantwortlich dafür, Billy Idol aus dem Schlamassel des Lebens zu ziehen. Zwölf Jahre später knallt er jetzt "Devil’s Playground" auf den Tisch, und das Album ist schlichtweg brillant. Das schreibe ich nicht, weil ich immer schon ein Fan Idols war und allein deshalb nicht klar denken kann, sondern weil die CD seit Wochen im Player liegt und nicht langweilig wird.

Mit "Super Overdrive" und "World Comin’ Down" beginnt Billy Idol, als wolle er allen harten College-Bands zeigen, dass nur gut sein kann, wer die wichtigsten Jahre des Punk in den 70s live erlebte. Kann nicht schaden, wenn Green Day und Co. hier mal genau hin hören. Mit "Rat Race" folgt ein Track auf die harten und schnellen Einsteiger, der einen zunächst einmal völlig runter bringt. Gezupfte Gitarren und Idols Gabe für die Romantik in der harten Welt münden in einen Refrain, der druckvoll abgeht und einen raffinierten Gegenpol zu den beinahe verträumten Strophen darstellt. Diese Mischung aus Atmosphäre und Kraft zeichnete ihn in seinen besten Jahren aus - nichts davon hat er verloren. Im Gegensatz zu "Cyberpunk" ist Idol wieder straight und kompromisslos.

Die Rückkehr Steve Stevens' verdeutlicht dabei, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen dem Briten und dem US-Boy für das Gesamtgebilde immer schon war. Mir fällt keine andere Band ein, die es derart intensiv und geschickt versteht, den europäischen und amerikanischen Rock- und Pop-Sound in einem Werk zu vereinen. Das als kitschiges Country-Stück definierbare "Plastic Jesus" gerät durch Idol/Stevens zu einem grandiosen Werk. "Romeo’s Waiting" steht für den oben erwähnten "Disco-Punk", d.h. zu den verzerrten Gitarren gesellen sich Dancfloor-taugliche Beats und eine vielseitige Stimme, die weiß, wie man hart und entspannt zugleich in einem Track klingen kann.

"Yellin' At The Xmas Tree" basiert auf einem Moment des Ärgers, als Idol nach einem Telefonat mit einem Label-Mitarbeiter seinen Weihnachtsbaum anschrie, um seiner Wut freien Lauf zu lassen. Das Stück erinnert sehr an den jungen Idol, ist Punk, Fun und Pop in einem. Wer bis jetzt noch nicht genug hat, der dürfte sich spätestens mit dem wunderbaren "Summer Running" von Billy Idols neuer Scheibe überzeugt sehen. Der Song lebt von der Vorstellung, frei zu sein und erfüllt die Seele mit dem Gefühl und Empfinden einer Lunge, die nach Jahren im Verließ endlich wieder an die frische Luft kommt. Der gegen Ende des Songs eingebaute Part des Ausbrechens aus allem, die nach Vorne drängenden Beats, die Aggression ... und der Weg zurück zur Besinnung, zu den gezupften Gitarren ... genial. Das ist es, was Idol uns zu seinen besten Zeiten zu schenken vermochte. Er hat es nicht verlernt.

Fazit: Billy Idol und Steve Stevens gelingt es auf "Devil's Playground", an ihre besten Zeiten anzuknüpfen, dabei unverbraucht zu klingen und selbstbewusst, als habe der heute 49-Jährige Brite seine Gitarre gerade erst ausgepackt, um die Welt mit 17 zu erobern. Ausgereifte Arrangements, feine Melodien und das Wechselspiel zwischen Druck und Härte auf der einen Seite sowie Romantik und Tag-Träumerei auf der anderen machen "Devil's Playground" zu einem äußerst kurzweiligen Erlebnis, von dem ich auch nach einigen Wochen des Anhörens lange nicht genug habe. Mag sich blöd anhören, aber eines fällt mir noch ein: Vielen Dank für all die wunderbaren Scheiben. Jetzt nur nicht aufhören, egal wie es weiter geht ...

(VÖ: 21.3.2005)

(mt)