Billy Idol:
"Rebel Yell" [1983]

Billy Idol: Rebel Yell © EMI

William Broad aus dem Londoner Vorort Bromley hat lange überlegt, wie er die Welt auf sich aufmerksam machen könnte und sich dann für den Punk entschieden. Sicherheitsnadel in die Backe, die Haare blond gefärbt und steil frisiert, Lederkluft, Springerstiefel - fertig ist William, das Idol, das sich künftig Billy Idol nennt.

Das Album "Rebel Yell" nimmt Billy Idol 1983 in Amerika auf, weil den hübschen blonden Pseudo-Punk zu Hause in England keiner so recht ernst nehmen will. Die Amerikaner glauben dagegen sofort, daß einer, der so aussieht, ein Rockstar sein muß. Sein Rebellenimage katapultiert Billy Idol erst dort in die Hitparaden, dann bald auch in Europa. Wobei man sich strenggenommen unter Punk musikalisch eigentlich was anderes vorstellt. Den Synthesizer zum Beispiel scheut der Punk wie der Teufel das Weihwasser. Billy Idol liebt das "Plingpling" im Hintergrund, in "Eyes Without A Face" ist das unüberhörbar.

Samtkehlchen Billy Idol liefert auf "Rebel Yell" so wunderbaren Mainstream-Pop, daß er "off the record" sein Image aufpolieren muß. Also pinkelt er auf Wohltätigkeitsparties in die Menge, läßt sich mit einem Mädel nackt in der Badewanne interviewen, zeigt sich in seinen Videos immer mit gefletschten Zähnen und geballter Faust. Billy Idol ist der geborene Entertainer: Seine Rüpeleien und sein Outfit machen genauso viel Spaß wie seine Songs. Denn das muß man ihm lassen: Seine Ohrwürmer - "Catch My Fall", "Flesh For Fantasy", "Eyes Without A Face" und und und - sind wir seit den frühen 1980ern nicht mehr losgeworden.

Für Billy Idol ist es übrigens kein Problem, auf "Rebel Yell" Anarcho-Parolen zu schmettern und dann als Gaultier-Model über den Laufsteg zu trippeln. Deshalb lästern viele gern über den "Designer-Punk", auch seine besten Freunde. Einer davon, Hanif Kureishi, hat sogar ein Buch mit dem Titel "Der Buddha aus der Vorstadt" geschrieben, in dem er Billy Idol ein Denkmal setzt. Billy Idol taucht darin als "Charly Hero" auf. Wer mehr über das Doppelleben des lieben bösen Billy erfahren möchte, sollte das Buch unbedingt lesen - und seine Musik hören.

Die Titel
  1. Rebel Yell
  2. Daytime Drama
  3. Eyes Without A Face
  4. Blue Highway
  5. Flesh For Fantasy
  6. Catch My Fall
  7. Crank Call
  8. (Do Not) Stand In The Shadows
  9. The Dead Next Door